Wenn der Speicher „hungert“ und das BMS lügt
Jeder Betreiber einer Off-Grid- oder Hybrid-Anlage kennt das Gefühl: Im Sommer weiß man nicht wohin mit dem Strom, aber im Winter – während der gefürchteten „Dunkelflaute“ – kämpft die Anlage um jede Wattstunde. Doch der mangelnde Ertrag ist nicht das einzige Problem. Viel kritischer ist, was dieser dauerhafte Mangel mit deinem LiFePO4-Speicher und dessen Batterie-Management-System (BMS) anstellt.

Das Problem: Die „notleidende“ Batterie
In diesem Beitrag schauen wir uns den sogenannten „notleidenden Betriebszustand“ an und erklären, warum dein BMS im Winter die Orientierung verliert – und was du dagegen tun kannst.
Exkurs: LiFePO4 und die „Mechanische Uhr“
Um das zu verstehen, müssen wir einen Blick in die Chemie werfen. LiFePO4-Zellen haben eine extrem flache Spannungskurve. Der Spannungs-Blindflug: Zwischen 20% und 80% Ladezustand ändert sich die Spannung der Zelle kaum (oft nur um wenige Millivolt). Anhand der Batteriespannung kann das BMS also gar nicht erkennen, wie voll die Batterie wirklich ist.
Coulomb-Counting: Stattdessen zählt das BMS die rein- und rausgehenden Elektronen (Stromstärke x Zeit). Das ist wie Schritte zählen mit geschlossenen Augen.
Das Problem: Wie bei einer mechanischen Uhr, die pro Stunde eine Sekunde falsch geht, summieren sich beim „Schritte zählen“ kleine Messfehler. Nach wenigen Tagen ohne Reset „driftet“ der errechnete Wert immer weiter von der Realität weg.
Die „Uhr“ (das BMS) muss regelmäßig neu gestellt werden. Das passiert aber nur, wenn die Batterie zu 100% voll geladen wird und das BMS an der dadurch steil ansteigenden Spannungskurve (dem sogenannten „Top-Balancing“) den “Voll geladen“ Zustand erkennt. Passiert das im Winter nicht, weiß das BMS schlichtweg nicht mehr, wo „Oben“ und „Unten“ ist.
Was genau passiert, wenn die BMS-Uhr falsch geht:
Wenn dieser Zustand zu lange andauert, geht die innere BMS-Uhr immer falscher und der angezeigte Prozentwert weicht immer stärker von der Realität ab. Im Bild ist der Effekt gut zu erkennen. Was genau passiert hier:

- Die Batterie „denkt“, dass sie noch 40% Restkapazität hat. Das ist aber schlichtweg falsch. In Wirklichkeit ist die Batterie leer – sie weiß es nur noch nicht
- Weil der Inverter von der Batterie den falschen Prozentwert erhält, versorgt er weiterhin die Verbraucher fleißig mit Batteriestrom. Das ist vergleichbar mit einer falschen Tankanzeige im Auto und geht auf Dauer nicht gut. Das Auto bleibt plötzlich mitten auf der Autobahn stehen. Ebenso ergeht es der Batterie.
- In der unteren Kurve ist zu erkennen, dass die Batteriespannung gegen 9:00 plötzlich zusammenbricht. Das BMS erkennt jetzt seinen Irrtum – eine Notabschaltung der Batterie ist die Folge.
- Im Haus gehen die Lichter aus. Warum? Die zusammengebrochene Batteriespannung der Notabschaltung interpretiert der Wechselrichter als kritisches Problem. Das gilt insbesondere für parallelgeschaltete Wechselrichter im Starkstromverbund. Eine harte Notabschaltung der gesamten Anlage ist die Folge.
Die Selbstabschaltung der Batterie und die automatische Notabschaltung der Anlage verhindern zwar einen echten Schaden – das Verhalten ist aber dennoch alles andere als optimal. Die folgenden Kapitel zeigen dir deshalb Schritt für Schritt, wie du ein solches Szenario verhindern kannst, und wie du deine Anlage für den Winterbetrieb fit machst.
Lösungen für den Winterbetrieb
Um zu verhindern, dass du plötzlich im Dunkeln sitzt oder dein Speicher durch dauerhafte Tiefentladung leidet, gibt es drei bewährte Strategien:
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1. Die harte Tour: Anlage abschalten (Manuell)
Wenn der Ertrag über Wochen gegen Null geht, ist der effizienteste Weg oft der simpelste: Gönn der Anlage einen Winterschlaf.
- Das Ziel: Das Haus auf „Nur Netz“ umschalten
- An unserer Plug & Play Box findest du den Dreiwege-Umschalter
- Einstellung: Stelle ihn von „Inverter“ auf „Nur Netz“ (Netz direkt)
Effekt: Deine Verbraucher werden nun zu 100% vom Energieversorger versorgt. Der Wechselrichter wird umgangen und kann (je nach Modell und Ladezustand) in den Standby gehen oder komplett abgeschaltet werden, um den Eigenverbrauch zu stoppen. Sobald im Februar die Sonne wieder mehr Kraft hat, schaltest du zurück.
Abschalt-Varianten:
Das Umschalten des 3-Wege-Schalters auf „Nur Netz“ bewirkt zunächst nur, dass das Haus an der Anlage vorbei mit Netzstrom versorgt wird. Die Anlage läuft nach der Umschaltung erst einmal weiter. Das muss nicht nachteilig sein. Wichtig ist aber, zu verstehen, was genau passiert. Hier ein Überblick der Varianten:
- Weiterbetrieb der Anlage mit Netz: Nach dem Umschalten laufen Batterie und Wechselrichter weiter. Nur mit dem Unterschied, dass die Batterie jetzt nicht mehr „lehrgesaugt wird“ von den Verbrauchern. Das immer noch anliegende Netz sorgt dafür, dass die Batterie im Notfall minimal aufgeladen wird – dazu später mehr. Steht noch ausreichend PV-Energie zur Verfügung, damit sich die Batterie nach und nach voll aufladen kann, ist diese Variante durchaus vorteilhaft. Immerhin scheint die Sonne dann nicht nutzlos aufs Dach, sondern lädt die Batterie auf. Im Falle eines Stromausfalls hast du auf diese Weise eine gute Stromreserve in der Tasche.
- Weiterbetrieb der Anlage ohne Netz: Schaltet man zusätzlich zum 3-Wege-Umschalter auch noch den linken Sicherungsautomaten an der Plug & Play Box aus, werden die Inverter nicht mehr mit Netzstrom versorgt. Die Anlage ist nun auf sich selbst angewiesen. Das kann zwar teuren Netzstrom sparen, könnte aber bei Dunkelflaute dazu führen, dass die Batterie wirklich notleidend oder sogar tiefentladen wird. Diese Variante sollte man nur wählen, wenn trotz Wintersaison immer noch ausreichend Sonne ankommt.
- Komplette Abschaltung der Anlage: die Anlage wird in den Winterschlaf geschickt und im Frühjahr wieder aufgeweckt. Das geht wie folgt: Alle Sicherungshebel an der Plug & Play Box nach unten (PV und 230V). Außerdem die Batterie ausschalten und dann das Pluskabel der Batterie abklemmen. Nach Ausschalten der Plug & Play Box und der Batterie, verlöschen die Displays der Inverter. Die Anlage ist nun komplett ausgeschaltet. Wichtiger Hinweis: Vor der Abschaltung sollte die Batterie noch einmal mit Netzstrom aufgeladen werden. Keinesfalls eine entladene Batterie in den Winterschlaf schicken! Wie das Aufladen per Netz geht, ist weiter unten beschrieben.
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2. Die smarte Konfiguration: Wintermodus im Wechselrichter
Du willst die Anlage nicht komplett abschalten, aber den Speicher schützen? Dann musst du dem Wechselrichter erlauben, „Fremdstrom“ zu nutzen, um das BMS zu kalibrieren.
- Das Ziel: Wir wollen sicherstellen, dass die Batterie nicht notleidend wird – auch wenn keine Sonne scheint.
- Einstellungen:
- In den Einstellungen des Wechselrichters findest du den Parameter 01 „Output Source Priority“ (Verbraucherpriorität). Setze diesen Parameter auf „SBU“ (Solar -> Battery->Utility). Das ist auch die Standardeinstellung für den Sommerbetrieb.
- Gehe weiter zu Parameter 12 (Back to Utility – Zurück auf Netz). Setze den Wert auf 25%
- Gehe weiter zu Parameter 13 (Back to Battery – Zurück auf Batterie). Setze den Wert auf 35%
- Parameter 14 „Charger Source Priority“ (Ladepriorität). Setze diesen Parameter auf „SNU“ (Netzladung) oder „CSO“ (bedingte Netzladung) .
Erklärung der Parameter:
Parameter 01 ist der „Hausmeister“: Er bestimmt, wie die Verbraucher versorgt werden. „SBU“ (Solar -> Battery->Utility) bedeutet, dass die Verbraucher zuerst per Solarenergie versorgt werden. SBU ist der Schlüssel zur Eigenverbrauchsoptimierung. Scheint die Sonne, werden die Verbraucher mit PV versorgt, und die Batterie per PV aufgeladen. Steht nicht ausreichend Solarenergie zur Verfügung, werden die Verbraucher aus der Batterie versorgt. Erst wenn weder PV, noch Batterie verfügbar sind, schaltet die Anlage auf Netzbetrieb um.
Hierbei bestimmen die Parameter 12 und 13 die Schaltgrenze nach unten und oben. Im Beispiel schaltet die Anlage auf Netzbetrieb um, wenn die Batterie eine Kapazität von 25% oder weniger besitzt (Param. 12). Erst bei einer Mindestkapazität von 35% (Param.13) darf die Batterie zur Versorgung der Verbraucher genutzt werden.
Parameter 14 ist der „Lademeister“. Er bestimmt, wie die Batterie aufgeladen wird. „SNU“ (Netzladung) erlaubt, dass die Batterie per Netz aufgeladen wird. Diese Netzladung startet, wenn die Batterie die Untergrenze 25% erreicht hat (Param.12). „CSO“ (eingeschränkte Netzladung) verhält sich fast identisch – mit einem Unterschied: Die Netzladung ist nur erlaubt, wenn absolut keine PV-Energie ankommt (also Nachts).
Im Sommerbetrieb steht dieser Parameter übrigens auf OSO (Nur Solar). In diesem Modus darf die Batterie ausschließlich mit Solar aufgeladen werden. Allerdings mit einer Ausnahme: Gerät die Batterie unter den Wert des „Notfallparameters“ 21 (Low DC Cut-off Voltage), wird die Batterie in jedem Fall bis zur Erreichen von Param 12 per Netz aufgeladen. Die Notfallparameter 21 sollte normalerweise auf 5% gesetzt sein.
Wie verhält sich die Anlage mit diesen Einstellungen:
- Der „Lademeister-Parameter“ 14 erlaubt nun generell das Aufladen der Batterie per Netzstrom. Erreicht oder unterschreitet die Batterie den Kapazitätswert 25%, beginnt das Netzaufladen.
- Die Batterie wird bis zum Erreichen der in Param13 festgelegten Obergrenze 35% per netz aufgeladen. Allerdings ist dieses Verhalten vom „Hausmeister-Parameter“ 01 abhängig. In der Standardeinstellung „SBU“ ist das Verhalten wie beschrieben. Würde man allerdings auf „UTI“ (Nur Netz) – oder „SUB“ (Solar->Netz->Batterie) umstellen, hätte das 2 Auswirkungen:
- Die Verbraucher werden ausschließlich per Netz versorgt
- Die Netzladung stoppt erst bei 100%
Feintuning:
- Parameter 12 (Back to Utility – Zurück auf Netz) und Parameter 13 (Back to Battery – Batterie darf wieder benutzt werden) sind im Prinzip frei konfigurierbar. Allerdings sind den Parametern bei Konfiguration direkt am Wechselrichter feste Grenzen vorgegeben. Z.B. kann Param.12 nicht < 25% konfiguriert werden. Verwendet man allerdings anstatt der Konfiguration am Inverter-Display die Konfigurationsseite des Solar-Assistenten, hat man mehr Konfigurationsfreiraum (z.B. Param.12 -> 15%).
- Beim Thema Netzladung spielt ein weiterer Parameter eine wichtige Rolle: Parameter 11 definiert den maximalen Strom bei Netzladung. Wenn man erreichen will, dass die Netzladung die Batterie nicht mit voller Leistung „vollknallt“, kann man den maximalen Netzladestrom z.B. auf 20A reduzieren. Dieser Wert gilt pro Inverter. Bei einer Starkstromanlage mit 3 Invertern würde der Wert 20 für jeden Inverter einen Gesamt-Netzladestrom von 60A bedeuten. Gut zu wissen: Die daraus resultierende Netzlast berechnet sich nach er Faustformel 50 x Stromstärke. Im Beispiel wären das also 3kW.
- Für Parameter 01 gibt noch eine (geheime) Einstellung „Solar First„. Diese Einstellung versteht fast niemand – ist aber fast identisch zur Standardeinstellung „SBU“. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Anlage nachts die Verbraucher ausschließlich per Netz versorgt. Diese Einstellung ist für Gegenden mit billigem Nachtstrom gedacht.
Aber…
Mit der oben beschriebene Konfiguration erreicht man zunächst das wichtige Ziel, die Batterie nicht „notleidend“ werden zu lassen. Allerdings kann es passieren, dass nachts die Netzladung startet, und dann ständig zwischen 25% – 35% pendelt. Ursache ist, dass die Netzaufladung zwar bei 35% stoppt, dann aber sofort wieder das Entladen der Batterie erlaubt ist. Die Batterie versorgt die Verbraucher bis runter zu 25% – es startet wieder die Netzladung usw. Ursache dieses unerwünschten Verhaltens ist die begrenzte Intelligenz der internen Inverter-Logik. Im Grunde ist das nicht schlimm, weil die Energie ja nicht verloren geht. Allerdings ist es auch nicht optimal, weil die Batterie ständigen Ladezyklen unterworfen wird. Mit Parameter 11 (max. Netzladestrom) lässt sich das Verhalten aber optimieren, indem man den Ladestrom soweit runterregelt, dass es über die Nacht geradeso zum Aufladen der Batterie bis 35% reicht. Ein guter Startwert in einer Growatt-Starkstromanlage ist z.B. 10A.
Ein weiteres Problem des Winterbetriebs lässt mit dieser Konfiguration jedoch nicht automatisch lösen: Die „falsch-gehende“ BMS-Uhr. Mit den oben beschriebenen Maßnahmen wird zwar das „Notleiden“ der Batterie verhindert – ein Vollaufladen auf 100% wird jedoch nicht garantiert. Genau das ist aber wichtig, um das BMS in der Dunkelzeit auf Kurs zu halten.
Hier solltest du ggf. manuell eingreifen. Falls die Sonnenenergie dauerhaft nicht ausreicht, um die Batterie ab und zu vollzuladen, musst du deiner Anlage behilflich sein. Am einfachsten geht das mit dem Parameter 14. Stelle den Parameter einmal pro Woche auf „SNU“. Hierdurch schaltet sich das Netz zu und lädt die Batterie kräftig auf 100% auf. Das „resettet“ die falschgehende Uhr des BMS und balanciert die Zellen wieder aus. Danach stellst du den Parameter wieder zurück auf OSO oder CSO.
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3. Die Profi-Lösung: Automatisierung mit dem Solar-Assistenten
Unsere Solarbringer Plug & Play Anlagen werden mit dem Solar-Assistenten ausgeliefert. Der Solar-Assistant oder auf gut Deutsch „Solar-Assistent“ – ist ein smartes Energieportal mit Profi-Features. Der direkt in die Plug & Play Box eingebaute Solar-Assistent erlaubt nicht nur die komfortable Anzeige aller Betriebsdaten – du kannst deine Anlage damit auch fernkonfigurieren. Mehr noch: Mit definierbaren Regeln (Automatisierungen) kann der Anlagenbetrieb elegant automatisiert werden, ohne ständig die Einstellungen der Anlage manuell ändern zu müssen. Damit sind komplexe Steuerungsaufgaben wie der automatische Winterbetrieb kein Problem.

Logik: Du kannst im Solar-Assistant Regeln erstellen (Automatisierungen).
- Beispiel: „Wenn SOC < 15%, dann schalte Wechselrichter auf ‚Utility First‘ (Netzvorrang).“
- Beispiel: „Wenn Uhrzeit = 02:00 Uhr nachts UND SOC < 30%, dann lade Batterie aus dem Netz auf 50%.“
Vorteil: Du nutzt den wenigen Solarstrom – sicherst die Anlage aber vollautomatisch gegen die Drift des BMS und plötzliche Abschaltungen ab. Dein System „atmet“ mit der Verfügbarkeit der Energie.
Allerdings ist die Automatisierung der Anlage per Solar-Assistent nicht trivial. Hardware und Software müssen perfekt zusammenspielen. Das ist aus mehreren Gründen eine Herausforderung
- die interne Steuerung der Wechselrichter ist vom Hersteller nur unzureichend dokumentiert. Beispiel: Parameter 01 beeinflusst direkt das Verhalten der in Parameter 14 konfigurierten Netzaufladung. Dieses undokumentierte Verhalten kann die Automatisierung des Anlagenbetriebs empfindlich stören oder sogar verhindern.
- Das Zusammenspiel von Hardware (interne Steuerung der Wechselrichter) und Software (Automatisierung per Solar-Assistent) ist komplex. Nur wenn die Automatisierung die Macken der Hardwarelogik kennt, kann es funktionieren.
Solarbringer hat deshalb alle undokumentierten Features der Growatt-Steuerung analysiert, und eine funktionierende Gesamtkonfiguration entwickelt, mit der du deine Anlage sicher durch den Winter bekommst.
Wie funktioniert das?
Die Konfiguration ist zweigeteilt:
- Anlagen-Grundkonfiguration : Die Parameter der Wechselrichter werden auf vorgegebene Basiswerte voreingestellt
- Automatisierung: Im Solar-Assistenten muss eine Automatisierung hinzugefügt werden
Mit der folgenden Beschreibung konfigurierst du deine Anlage Schritt für Schritt für den Winterbetrieb.
Basiskonfiguration
Die Grundkonfiguration der Hardware besteht aus 4 Parametern:
- Parameter 01 (der Hausmeister): Setze Parameter 01 auf die Standardeinstellung „SBU“. Das bewirkt, dass deine Anlage auf maximalen Eigenverbrauch konfiguriert ist.
- Parameter 14 (der Lademeister): Setze Parameter 14 auf die Standardeinstellung „OSO“. Das bewirkt, dass deine Batterie ausschließlich durch Solarstrom geladen wird.
- Parameter 12 (der untere Lade-Schwellwert): Setze diesen Parameter im Winter auf 25%. (Im Sommer kann der Parameter weiter nach unten gesetzt werden – z.B. 15%). Diese Einstellung bewirkt in erster Linie, dass der Wechselrichter bei Unterschreiten dieses Prozentwerts auf Netz umschaltet. Wichtiger in unserem Zusammenhang ist aber das undokumentierte Verhalten der Growatt-Logik, dass dieser Wert die untere Grenze des „Notleidend-Bereichs“ definiert. Die Batterie muss aus Sicht des Wechselrichters also mind. 25% geladen sein, um nicht als notleidend zu gelten.
- Parameter 13 (der obere Lade-Schwellwert): Setze diesen Parameter auf 95%. Die Einstellung bewirkt, dass der Wechselrichter die Batterie erst nach einer Vollaufladung wieder verwenden darf. Dieser Wert bestimmt die obere Grenze des „Notleidend-Bereichs“. Diesen Parameter auf 95% zu setzen, ist der wichtigste Trick in der Gesamtkonfiguration: Genau dieser Wert wird mit der Automatisierung später übersteuert.
Hinweis: In einer Vorgängerversion dieses Beitrags wurde dieser Parameter noch auf 100% gesetzt. 95% ist besser, da das BMS mitunter 99,99% statt 100% meldet.
Die Grundkonfiguration bewirkt folgendes Verhalten deiner Anlage:
- Parameter 01: Die Anlage versucht, die wenige Solarenergie maximal zu nutzen
- Parameter 14: Die Batterie darf nur per PV geladen werden
- Parameter 12 und 13: Nach dem Unterschreiten der 25% Untergrenze darf die Batterie erst wieder nach einer Vollaufladung verwendet werden.
Alleine für sich hat diese Grundkonfiguration noch keinen sinnvollen Nutzen. Denn weder das Pendeln-, noch das Dahindümpeln der Batterie kann damit sicher verhindert werden. Erst mit dem Zauber-Elixier „Automatisierung“ wird die Magie zum Leben erweckt.
Automatisierung – Was genau wollen wir erreichen?
- Notleidende Batterie: Es soll verhindert werden, dass die Batterie infolge PV-Mangels ständig im roten Bereich dümpelt. Das schont die Batterie und verhindert Tiefentladung.
- Batterie Reset: Einmal in der Woche soll die Batterie auf 100% zwangsaufgeladen werden. Dadurch wird ein Wegdriften des BMS vermieden.
Die Magie steckt in er genialen Kombination von Inverter-Grundkonfiguration (lade Batterie bis 100%), und Solar-Assistent Automatisierung (smartes Übersteuern des Basisverhaltens). Lass uns das gleich ausprobieren:
Rufe den Solar-Assistenten auf. Nutze hierfür am besten den PC, um die Regeln komfortabel eingeben zu können. Klicke auf den Reiter „Power“. Füge eine Automatisierung per Klick auf „Add Automation“ hinzu. Klicke dann auf „Rule table“, und selektiere die Auswahlboxen wie im Bild.

Füge die Werte für die erste Zeile der Automatisierung exakt wie im Bild ein. Klicke dann auf das grüne Plus Symbol neben den Eingabefeldern für die Prozentwerte. Es erscheint eine zweite Zeile. Befülle die zweite Zeile ebenfalls nach den Vorgaben wie im Bild gezeigt:

Hinweis: Im Gegensatz zum Screenshot ist es sinnvoll, zwischen den Regeln eine Lücke zu lassen (36-39), damit es während des Übergangs nicht zu ungewollten Hin-und-Her-Schaltungen kommt.
- Zeile 1: 0% – 35% | Montag – Sonntag -> Solar and Utility simultaneously
- Zeile 2: 40% – 100% | Montag – Samstag-> Solar only
Klicke anschließend auf „Save“. Abschließend aktivierst du die neue Automatisierung per Klick auf „Enable“. Jetzt ist die Konfiguration für den Winterbetrieb fertig und aktiv.
Das Verhalten im Betrieb:
- Montag – Samstag:
- Wir nehmen an, der Akku fällt unter 35%. Regel 1 greift -> SNU (Netzladung). Die Ladung per Netz startet.
- Der Akku erreicht 40%. Regel 1 ist vorbei, Regel 2 greift -> OSO (Only Solar). Ladung stoppt.
- Da Parameter 13 aus der Grundkonfiguration auf 100% steht, bleibt das Haus am Netz. Der Akku „parkt“ bei 36%.
Etappenziel 1 ist erreicht: Der Akku wird niemals notleidend
- Sonntag (Wartungstag):
- Akku fällt unter 35%. Regel 1 greift -> SNU (Netzladung). Ladung startet.
- Akku erreicht 36%. Regel 1 ist vorbei.
- Der Clou: Regel 2 gilt NICHT für Sonntag. Es gibt also für den Bereich 36-100% am Sonntag keine Definition.
- Solar-Assistant sendet also keinen neuen Befehl. Die Einstellung bleibt weiterhin auf dem letzten Stand (SNU).
- Der Akku lädt weiter: 37% … 40% … bis 100%.
Etappenziel 2 ist erreicht: Am Sonntag (unserem wöchentlichen Wartungstag) wird der Akku auf 100% geladen.
- Montag Früh (nach der Wartung):
- Akku ist aufgeladen oberhalb 35%. Der Solar-Assistent prüft die Regeltabelle, und landet in Regel 2 (36-100% Mo-Sa)
- Befehl OSO (Only Solar) wird gesendet. Der Normalbetrieb ist wiederhergestellt.
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Fazit
Der Winterbetrieb einer PV-Inselanlage ist eine besondere Herausforderung. Nicht nur, dass zu wenig PV-Energie vom Dach kommt. Das eigentliche Problem ist, dass die Batterie „hungert“, und das BMS anfängt zu „lügen“. Die Anlage wird dadurch instabil, und es kann sogar der Strom im Haus ausfallen. Dieser Beitrag hat dir verschiedene Varianten gezeigt, wie du deine PV-Anlage sicher durch den Winter bekommst. Das Highlight ist der vollautomatische Winterbetrieb durch clevere Automatisierung.
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